Archiv der Kategorie ‘Lösungen finden’

Vom Nutzen der eigenen Blockaden

1. Oktober 2007

Während meines Psychologiestudiums wurde ich mit einem schon beinahe schwarzhumorigen, aber dennoch sehr potenten Begriff konfrontiert. Dieser Begriff heißt “Krankheitsnutzen”.

Meine erste Reaktion ging in die Richtung: “Was soll denn das? Eine kranke Person hat doch ein Problem und keinen Nutzen?!”. Nach einer vorsichtigen Annäherung an den Begriff - schließlich klingt es ja eigentlich ziemlich unfair, einem Kranken zu unterstellen, dass er einen Nutzen von der Sache hätte - wurde mir folgendes klar: den Krankheitsnutzen gibt es wirklich.

Aber noch viel wichtiger als die reine Existenzfrage ist es, sich den jeweiligen Nutzen bewusst zu machen. Warum dies? Weil sich daraus Ansatzpunkte entwickeln lassen, wie man die Krankheit wieder loswird.

Ein Beispiel: Person hat eine Angststörung und traut sich nicht mehr aus dem Haus zu gehen. Auf den ersten Blick ziemlich unschön. Beim näheren Hinschauen entdeckt man aber, dass dies dazu führt, dass sich der Partner von Person A (zumindest kurzfristig) rührend um sie kümmert und alles für sie erledigt. Person A bekommt also viel mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung als sie es ohne die Angststörung bekäme.

Ein Lösungsansatz wäre im Beispielsfall daher zu überlegen, wie das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Unterstützung befriedigt werden könnte, ohne dass es der Störung Bedarf.

Umgekehrt könnte natürlich der Partner auch bewusst sein Verhalten ändern, indem er das “krankhafte” Verhalten in Zukunft weniger “belohnt” dafür aber alle Anzeichen für “gesundes” Verhalten unterstützt und honoriert.

Ja und? Was hat das nun mit den Blockaden zu tun?! Ganz einfach: was im Großen gilt, gilt auch im Kleinen.

Habe ich zum Beispiel eine Schreibblockade beim Verfassen meiner Diplomarbeit, könnte auch hier ein Nutzen hinter versteckt liegen. Ein nahe liegender Nutzen wäre, dass sich mit anderen Dingen ablenken eventuell attraktiver ist als das Schreiben und sich bedauern lassen, ja auch mal ganz nett ist. Beim tiefer Buddeln, käme man vielleicht noch auf den Nutzen, dass so lange die Arbeit nicht geschrieben und abgegeben ist, einem auch keiner sagen kann, wie schlecht sie ist.

Je nachdem, welche Nutzen im jeweiligen Fall besonders relevant sind, ändert sich die Lösungsstrategie. Sich bewusst zwischendurch entspannen könnte die Lösung gegen Überarbeitung sein. Sich mit den eigenen Ängsten vor Bewertung oder der Qualität der eigenen Arbeit auseinander zu setzen wäre eine andere Lösungsvariante.

Auf jeden Fall ist diese Denkweise ein Wechsel der Blickrichtung und solcher führt ja bekanntlich oftmals dazu, dass man klarer sieht als vorher. ;-)

Was hat der Kopfstand mit Kreativität zu tun?

29. August 2007

Bei der kreativen Lösungsfindung geht es darum, vorhandene geistige Trampelpfade zu verlassen und - wie beim Kopfstand - die Blickrichtung zu wechseln.

Daher wird bei der Kopfstandmethode die ursprüngliche Fragestellung zunächst umgekehrt. Statt sich zu fragen, wie man z.B. möglichst schnell viele neue Kunden bekommt, fragt man sich, wie man es schafft überhaupt keine neuen zu bekommen bzw. alle potentiellen Neukunden zu verlieren.

Man fragt sich also zuerst einmal wie die Situation verschlimmert werden kann, anstelle gleich zu überlegen, was man tun kann, um sie zu verbessern.

Ist die Ideensuche abgeschlossen, werden die gefundenen Ideen umgedreht, so dass aus ihnen Lösungen für die ursprüngliche Frage werden. Bezogen auf das Neukunden-Thema wird aus der Idee “nie zurückrufen” dann beispielsweise der Lösungsvorschlag “kurze Antwortzeiten”.

Der Vorteil ist, dass typische Denkblockaden so gekonnt umschifft werden und man zu Lösungen kommt, die einem auf Anhieb vielleicht nicht eingefallen wären.